Wünschen wir uns nicht alle das Kind in uns zurück? Freudensprünge über riesige rote Luftballons zum 40. geburtstag? Spontane Überraschungen? Warum sollten mit den Jahren die roten Luftballons verschwinden? Warum sollte man keine Überraschung mehr lieben dürfen, nur weil man längst erwachsen ist? Warum sollte man nicht spontan auf einen Tisch springen, barfuß durch den Sommerregen laufen oder sich über etwas freuen, das eigentlich völlig albern ist? Wer hat das eigentlich festgelegt, wer sagt eigentlich, dass man mit dem Alter vernünftig werden muss?
Irgendwann stehen wir vor einer Zahl, die plötzlich groß und alt klingt.
40. 45. 50. 55. 60. und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Und plötzlich wird von „runden und halbrunden Geburtstagen“ gesprochen, von angemessenen Geschenken, stilvollen Feiern und davon, was sich für das jeweilige Alter gehört. Vielleicht wird unser Leben mit den Jahren ernster. Wir tragen Verantwortung, treffen Entscheidungen, bezahlen Rechnungen und haben Dinge erlebt, die uns geprägt haben. Es gibt diese Momente, in denen man plötzlich merkt, dass man älter geworden ist.
Aber irgendwo in uns sitzt immer noch dieses kleine Kind. Es staunt. Es lacht. Es möchte überrascht werden. Es freut sich über rote Luftballons, obwohl es genau weiß, dass sie irgendwann wieder platzen. Und vielleicht brauchen wir dieses Kind sogar mehr, je älter wir werden. Denn erwachsen zu sein bedeutet nicht, alles kindliche hinter sich zu lassen. Es bedeutet vielmehr, selbst entscheiden zu dürfen, wann wir vernünftig sein wollen und wann wir einfach nur Spaß haben.
Ein runder Geburtstag muss deshalb nicht bedeuten, dass man sich plötzlich dem Alter entsprechend verhalten sollte. Vielleicht bedeutet er einfach, ich bin älter geworden. Aber ich bin noch da. Und diese kleine Kind, in uns, sitzt da und freut sich über spontane Überraschungen, über einen Menschen der sich verückte Dinge ausdenkt. Über einen Blick, der ein kleines bisschen zu lange auf der Haut verweilt, der dieses Kribbeln im Bauch auslöst. Dieses kleine, freche Gefühl, wenn jemand einem näherkommt und man für einen Augenblick vergisst, wie alt man eigentlich ist. Wenn ein Blick mehr sagt als tausend Worte. Wenn eine Berührung nur ganz leicht ist und trotzdem eine Gänsehaut hinterlässt.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen älter werden und alt werden. Älter werden wir ganz von allein. Alt werden wir erst dann, wenn wir aufhören, uns überraschen zu lassen. Wenn wir glauben, dass bestimmte Dinge unserem Alter nicht mehr entsprechen. Wenn wir anfangen, unsere Freude zu verstecken, nur weil sie ein bisschen kindisch wirkt.
Aber das Kind in uns kennt keine Altersgrenze. Es will Luftballons. Es will Überraschungen. Es will Abenteuer. Und manchmal will es einfach jemanden ansehen und denken: Verdammt, der gefällt mir. Warum auch nicht? Wir haben schließlich lange genug gelernt, erwachsen zu sein. Vielleicht dürfen wir uns mit jedem Lebensjahr ein kleines bisschen mehr erlauben wieder Kind zu sein, mit der Erfahrung eines Erwachsenen.
Mit Falten, Erinnerungen, Selbstbewusstsein und verdammt viel Lust am Leben. Denn für rote Luftballons ist man niemals zu alt. Für spontane Überraschungen auch nicht.
Und für dieses verdächtige Kribbeln im Bauch?
Schon gar nicht.
Titelfoto: https://www.instagram.com/p/DU2suXHjL077J9BnfWKdCE4O5hgbbg8SlSwYZ40


